Vorwort
2025 standen im sogar theater produzierte Theaterstücke und deren nachhaltige Umsetzung und Verbreitung im Zentrum. Ökologische Nachhaltigkeit ist ein Thema, das uns auf verschiedenen betrieblichen Ebenen beschäftigt. Leider mussten wir grad im Januar die Koproduktion «Ciao Paka Ciao» aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen. Damit konnten wir den Künstler:innen die nötige Genesungszeit ermöglichen und einen Ersatztermin finden. Insgesamt blicken wir jedoch freudig und stolz auf ein Jahr mit vielen ausverkauften und gut besuchten Veranstaltungen zurück.
Im Frühling kam Gerhard Meisters Text «In meinem Hals steckt eine Weltkugel» als satirisches Spoken-Word-Musik-Theater auf die Bühne; im Herbst inszenierte Ursina Greuel die Komödie «Biber oder Das wilde Tierleben» von Myriam Prongué, ein humoristisches Stück über das Altern und das Erben, in einer grandiosen Besetzung (siehe Titelfoto). Mit diesem Fokus auf Eigenproduktionen setzten wir um, was wir uns in Zeiten der finanziellen Planungsunsicherheit vorgenommen hatten: Eine Stärkung unserer Eigenproduktionen, die dem sogar theater sein unverwechselbares Profil als musikalisches Literaturtheater geben, und dafür etwas weniger Gastspiele und Einzelveranstaltungen. Zudem möchten wir die Eigenproduktionen mit mehr Vorlauf vorbereiten und so lange wie möglich spielen. Deshalb standen 2025 auch Wiederaufnahmen von unseren beliebten, in früheren Jahren produzierten Stücken wie «Mensch, du hast Recht!» oder «Fünf Uhr morgens/П'ята ранку/الخامسة فجرا» auf dem Spielplan. Letzteres ging 2025 auf Tournee und wurde in weiteren acht Städten in der Schweiz und Österreich gezeigt.
Wenn Stücke mit Wiederaufnahmen und an verschiedenen Häusern gezeigt werden, ist das einerseits erfreulich für die beteiligten Künstler:innen, andererseits ist es auch nachhaltig. Die eingesetzten Ressourcen (finanzielle, personelle und künstlerische) werden optimal genutzt und verwertet. Dazu kommt, dass unsere Stücke insgesamt umweltschonend produziert werden. Bühnenbilder, Requisiten und Kostüme bestehen oftmals aus bereits vorhandenen Objekten und Materialien. Die Stadt Zürich als Subventionsgeberin unterstützt Kulturbetriebe bei Optimierungen bezüglich Nachhaltigkeit. Das sogar theater nahm 2025 entsprechende Beratung in Anspruch und konnte betrieblich schon einiges umsetzen (S. 12).
Im Sommer 2025 wurde mit «sogar am Ball» ein partizipatives Chor-Projekt anlässlich der Frauen-Fussball-EM realisiert, das viel Aufmerksamkeit erhielt und an dem sich – neben den Sänger:innen des sogar Chors – viele weitere Personen beteiligten. Die Vernetzung im Quartier und das Erreichen von neuen Gesellschaftsgruppen mittels Theater ist ein erklärtes Ziel des sogar theaters.
Eine grosse Freude war daher die erste Durchführung des arabischsprachigen Programmfensters, als wir bei den Vorstellungen von «The Long Shadow of Alois Brunner» und den Gesprächen im Anschluss eine 50:50-Durchmischung von arabischsprachigen und deutschsprachigen Personen verzeichnen konnten. Das bestärkt uns darin, die Arbeit mit unserem Beirat für ein arabischsprachiges Programmfenster fortzusetzen (siehe S. 6) und nach weiteren Projekten zu suchen, die Personen aus unterschiedlichen Sprachgruppen miteinander in Austausch bringen.
Das Publikum begrüsste diesen Kurs: 2025 betrug die Auslastung 88%; es gab diverse ausverkaufte Abende und eine Zusatzvorstellung. Weil eine Koproduktion sowie ein Gastspiel abgesagt resp. verschoben werden mussten, kamen insgesamt etwas weniger zahlende Zuschauer:innen ins sogar theater als in den Vorjahren (siehe S. 11). Diese Ausfälle bei den Einnahmen konnten wir jedoch u.a. mit dem erhöhten Mitgliederbeitrag sowie Einsparungen im Bereich Werbung ausgleichen. Sodass das Geschäftsjahr 2025 einen positiven Abschluss vorweist und gar eine Rückstellung für das Jubiläumsjahr 2028 getätigt werden konnte (siehe S. 12).
Tamaris Mayer & Ursina Greuel, Theaterleitung
Esther Weibel, Präsidentin Verein sogar theater
P. S. Esther Weibel, die seit 10 Jahren im sogar Vorstand mitarbeitet und seit 2021 als Präsidentin des Vereins amtet, tritt zur Mitgliederversammlung hin zurück. Das sogar theater und der Verein verdanken ihr enorm viel! Unermüdlich, mit viel Begeisterung, Ausdauer und Vertrauen in das Theaterteam setzte sie sich ein fürs sogar. Wir werden auch nach ihrem Rücktritt noch von ihrer Arbeit profitieren – und sie vermissen. Danke, Esther!