Szenenbilder: André Steger - ringring@swissonline.ch
Peter Brunner
Tel: 044 271 50 81
medien@sogar.ch
Erstaufführung in neuer Theatertextfassung
„Professor Unrat“ oder das Ende eines Tyrannen
Es geht nur vordergründig um einen ältlichen, verbitterten Kleinstadtpauker, der durch die Kleinstadtkokette Rosa Fröhlich entflammt, aus der kleinbürgerlichen Welt fällt. Der Dampfkessel der Wohlanständigkeit, das Korsett bürgerlicher Moral platzt. Und wie vorher die Anständigkeit das absolute Mass gewesen ist, ist es fortan die Masslosigkeit. Doch der vermeintliche Sieg endet im freien Fall...
„Mein Kopf und die Beine von Marlene“ - dieser Kommentar von Heinrich Mann, fasst zusammen, was seinen Roman „Professor Unrat“ weltberühmt gemacht hat: Die Verfilmung des Stoffes unter dem Titel „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich in der Hauptrolle ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Filme, ein Mythos, ein Meilenstein. Doch das Drehbuch des Films entfernt sich weit von der Romanvorlage.
Beides, Kopf und Beine, zusammenzuführen, hat sich das Ring Theater Zürich in seiner diesjährigen Produktion (Ko-Produktion: Chössi Theater, bühne fasson und sogar theater) vorgenommen und die Geschichte vom Gymnasialprofessor Raat, welcher der Tingeltangelsängerin Rosa Fröhlich verfällt, als literarisches Solo mit Volker Ranisch auf die Bühne gebracht. Motive des Films aufgreifend, bleibt die Stückfassung jedoch dicht am Roman:
Der tyrannische Gymnasialprofessor Raat, in der Schule und stadtweit nur „Unrat“ genannt, folgt seinen Schülern heimlich ins Hafenvarieté „Zum blauen Engel“. Hier trifft er auf die verführerische Rosa Fröhlich. Die Dinge nehmen ihren Lauf: Unrat verliert sein Herz – und bald darauf sein Amt. Befreit von allen Konventionen, geht er nun mit Rosa Fröhlich nicht nur ein Ehe-, sondern auch ein Zweckbündnis ein und benutzt ihre Attraktivität, um nachträglich an der Stadt und an den Schülern Rache zu üben. Zwar ist das finanzielle Polster rasch verbraucht. Hinter gutbürgerlicher Fassade bauen er und Fröhlich aber geschickt an einem Netz, in dem Mitwisser und Gläubiger in finanzielle Abhängigkeiten und Verstrickungen geraten. Unrat gelingt es so, sein tyrannisches Weltbild vom engen Raum der Schule auf die ganze Stadt auszudehnen. Doch der triumphale Moment, in dem er glaubt, alle Widersacher besiegt zu haben, ist auch der Moment seines Scheiterns.
„Professor Unrat“ ist die Geschichte einer gesellschaftlichen Grenzüberschreitung und – damit verbunden – eines sozialen Abstiegs. Der vielschichtige Roman ist deshalb so nah an unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit, weil er eben nicht nur die Geschichte eines absonderlichen Schultyrannen ist, der auf Abwege kommt. Heinrich Mann zeigt seine Protagonisten nicht als Täter bzw. Opfer. Die Duldung kollektiven Betruges auf Grund wechselseitiger Verstrickungen ist zeitlos Thema. Nicht nur jeder menschlichen Gemeinschaft, sondern auch jedes einzelnen von uns: Inwieweit ist man korrumpierbar, inwieweit hält man der Verführung stand?
In einer Art Kopf-Kino tritt Volker Ranisch in freier Rede vor sein Publikum und lässt die Figuren der Geschichte und ihre mannigfaltigen Beziehungen zum Vergnügen der Zuschauer entstehen. Er eröffnet damit eine reiche Welt, die in ihrer Aktualität und Zeitlosigkeit fasziniert, weil sie mit der menschlichen Lust an Gaunereien, an kleineren und größeren eleganten Verbrechen spielt. Aber auch mit unserer Verführbarkeit, die mit dieser Lust in engem menschlichen Zusammenhang steht.
Professor Unrat oder das Ende eine Tyrannen
Literarisches Solo nach dem Roman von Heinrich Mann
Spiel: Volker Ranisch
Regie: Mareike Block
Textfassung: Mareike Block, Volker Ranisch
Künstlerische Mitarbeit: André Steger, Nelly Bütikofer
Musik/A capella-Songs: Christoph Baumann
Ausstattung: Judith Kolb
Ko-Produktion: Ring Theater mit Chössi Theater, bühne fasson und sogar theater
Vorstellungen:
Donnerstag, 24. November, 20.30 h - Premiere
Freitag, 25. November, 20.30 h
Samstag, 26. November, 20.30 h
Sonntag, 27. November, 17.00 h
Montag, 28. November, 20.30 h
Dienstag, 29. November, 20.30 h
Mittwoch, 30. November, 20.30 h
Kontakt Volker Ranisch
Tel. Mobil +79 894 28 00
Szenenbilder: André Steger - ringring@swissonline.ch
Peter Brunner
Tel: 044 271 50 81
medien@sogar.ch