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Erstaufführung in neuer Theatertextfassung

Professor Unrat“ oder das Ende eines Tyrannen

 

Es geht nur vordergründig um einen ältlichen, verbitterten Kleinstadtpauker, der durch die Kleinstadtkokette Rosa Fröhlich entflammt, aus der kleinbürgerlichen Welt fällt. Der Dampfkessel der Wohlanständigkeit, das Korsett bürgerlicher Moral platzt. Und wie vorher die Anständigkeit das absolute Mass gewesen ist, ist es fortan die Masslosigkeit. Doch der vermeintliche Sieg endet im freien Fall...

 

„Mein Kopf und die Beine von Marlene“ - dieser Kommentar von Heinrich Mann, fasst zu­sammen, was seinen Roman „Professor Unrat“ weltberühmt gemacht hat: Die Verfilmung des Stoffes unter dem Titel „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich in der Hauptrolle ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Filme, ein Mythos, ein Meilenstein. Doch das Drehbuch des Films entfernt sich weit von der Romanvorlage.

 

Beides, Kopf und Beine, zusammenzuführen, hat sich das Ring Theater Zürich in seiner diesjährigen Produktion (Ko-Produktion: Chössi Theater, bühne fasson und sogar theater)  vorgenommen und die Geschichte vom Gymnasialprofessor Raat, welcher der Tingeltangel­sängerin Rosa Fröhlich verfällt, als literarisches Solo mit Volker Ranisch auf die Bühne ge­bracht. Motive des Films aufgreifend, bleibt die Stückfassung jedoch dicht am Roman:

 

Der tyrannische Gymnasialprofessor Raat, in der Schule und stadtweit nur „Unrat“ genannt, folgt seinen Schülern heimlich ins Hafenvarieté „Zum blauen Engel“. Hier trifft er auf die ver­führerische Rosa Fröhlich. Die Dinge nehmen ihren Lauf: Unrat verliert sein Herz – und bald darauf sein Amt. Befreit von allen Konventionen, geht er nun mit Rosa Fröhlich nicht nur ein Ehe-, sondern auch ein Zweckbündnis ein und benutzt ihre Attraktivität, um nachträglich an der Stadt und an den Schülern Rache zu üben. Zwar ist das finanzielle Polster rasch ver­braucht. Hinter gutbürgerlicher Fassade bauen er und Fröhlich aber geschickt an einem Netz, in dem Mitwisser und Gläubiger in finanzielle Abhängigkeiten und Verstrickungen ge­raten. Unrat gelingt es so, sein tyrannisches Weltbild vom engen Raum der Schule auf die ganze Stadt auszudehnen. Doch der triumphale Moment, in dem er glaubt, alle Widersacher besiegt zu haben, ist auch der Moment seines Scheiterns.

 

„Professor Unrat“ ist die Geschichte einer gesellschaftlichen Grenzüberschreitung und – damit verbunden – eines sozialen Abstiegs. Der vielschichtige Roman ist deshalb so nah an unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit, weil er eben nicht nur die Geschichte eines ab­sonderlichen Schultyrannen ist, der auf Abwege kommt. Heinrich Mann zeigt seine Prota­go­nisten nicht als Täter bzw. Opfer. Die Duldung kollektiven Betruges auf Grund wechsel­seitiger Verstrickungen ist zeitlos Thema. Nicht nur jeder menschlichen Gemeinschaft, son­dern auch jedes einzelnen von uns: Inwieweit ist man korrumpierbar, inwieweit hält man der Verführung stand?

 

In einer Art Kopf-Kino tritt Volker Ranisch in freier Rede vor sein Publikum und lässt die Figuren der Geschichte und ihre mannigfaltigen Beziehungen zum Vergnügen der Zu­schauer entstehen. Er eröffnet damit eine reiche Welt, die in ihrer Aktualität und Zeitlosigkeit fas­ziniert, weil sie mit der menschlichen Lust an Gaunereien, an kleineren und größeren ele­ganten Verbrechen spielt. Aber auch mit unserer Verführbarkeit, die mit dieser Lust in engem menschlichen Zusammenhang steht.

 


Professor Unrat oder das Ende eine Tyrannen

Literarisches Solo nach dem Roman von Heinrich Mann

 

Spiel: Volker Ranisch

Regie: Mareike Block

Textfassung: Mareike Block, Volker Ranisch

Künstlerische Mitarbeit: André Steger, Nelly Bütikofer

Musik/A capella-Songs: Christoph Baumann

Ausstattung: Judith Kolb

Ko-Produktion: Ring Theater mit Chössi Theater, bühne fasson und sogar theater

 

Vorstellungen:

Donnerstag, 24. November, 20.30 h - Premiere

Freitag, 25. November, 20.30 h

Samstag, 26. November, 20.30 h

Sonntag, 27. November, 17.00 h

Montag, 28. November, 20.30 h

Dienstag, 29. November, 20.30 h

Mittwoch, 30. November, 20.30 h

 

Kontakt Volker Ranisch

Tel. Mobil +79 894 28 00

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