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Mit Hebel am Tisch – Erstaufführung

 

«Vor 250 Jahren wurde der Lyriker und Erzähler Johann Peter Hebel geboren. Er gab sich als Biedermann, schuf aber ein Werk von abgründiger Kraft, das zur Weltliteratur zählt.»

 (NZZ am Sonntag, 9.Mai 2010)

 

Ein Bild des Turmes vom Strassburger Münster hängt in Hebels Wohnung, neben zwei Schweizerszenen, einem Christus, einer Maria, einem flammländischen Trinkgelage und dem Bild der Schauspielerin Henriette Hendel.

 

Drei Menschen sitzen an einem Tisch, alle aus dem alemannischen Bereich kommend, aus der Gegenwart stammend. Diese drei  versuchen sich dem Johann Peter Hebel zu nähern. Für manche war er ein biedermeierlicher Moralist, für andere ein Humanist, ein Aufklärer, der sich dem Wissen, aber auch dem Klatsch und Tratsch seiner Zeit widmete. Bücher werden zur Hand genommen, Gedichte zitiert, Rätsel gestellt, ein Kosmos geöffnet. Man geht mit Hebel in die Fremde, die er beschrieb, aber in der er nie war, folgt ihm in Fachgebiete wie der Botanik und Biologie und geniesst den Schauer, wenn unter dem Spiegel seiner sorgsam komponierten Fabeln das Heimatliche ins Unheimliche kippt.

 

Eine Schauspielerin . ein Schauspieler und  ein Musiker sitzen wartend am Tisch . Das Akkordeonspiel von Hans Hassler sollte  die Zuschauer auffordern, immer wieder neu hinzuhören .Ein Dialog entsteht zwischen der Musik, den Schauspielern und den Texten von Hebel. Es geht darum, den Umgang mit den Wurzeln der Sprache herauszufinden, um Dialekt, Kunstsprache, um das Tanzen mit Worten, um erzählen und besprechen, um verfremden und vertraut machen.

 

Martin Heidegger schrieb in «Hebel, der Hausfreund»: «In allem, was der Hausfreund sagt, hütet er das Wesenhafte, dem die Menschen als die Wohnenden zugetraut sind, das sie freilich allzu leicht verschlafen.»

Doch wer ist dieser Hausfreund? Was interessiert uns Heutige an ihm, am Menschen Hebel, an seiner Sprache, seinen Kalendergeschichte und seinen Gedichten?


All diese Fragen sollen in fünf veritablen (Text-)Gängen begründet werden:

 

Erstens: Biographisches

Zweitens: Anima-lisches

Drittens: Hauptgang

Viertens: Liebe

Fünftes: Trost

Es wird klar: Der Mann des «Schatzkästleins» berührt und beschäftigt bis heute. Johann Peter Hebel braucht kein update. Seine Texte entfalten den Zauber des von der Zeit unabhängigen Gültigen. Das Klischee des betulichen Heimatdichters stimmt nicht, vielmehr entsteht ein entstaubter, lebendiger und spannungsreicher Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

 

Zu Johann Peter Hebel

 

«Ich bin von armen, aber frommen Eltern geboren, habe die Hälfte der Zeit in meiner Kindheit bald in einem einsamen Dorf, bald in den vornehmen Häusern einer berühmten Stadt zugebracht. Da habe ich früh gelernt, arm seyn und reich seyn.»

(Kurze Biographie von Johann Peter Hebel zwischen Basel und Karlsruhe)

 

Johann Peter Hebel wurde am 10. Mai 1760 in Basel geboren. Weil seine Eltern als Angestellte eines Balser Patriziers im Sommer in Basel und im Winter in Hausen (Württemberg) lebten, besuchte er ab 1766 die Volksschule in Hausen und ab 1769 die Lateinschule in Schopfheim. In den Sommermonaten war er Schüler der Gemeindeschule in Basel und am dem Jahre 1772 des dortigen Gymnasiums am Münsterplatz. Im Jahre 1774 wechselte er an das Gymnasium in Kahrlsruhe.

 

Sein zweijähriges Theologiestudium begann er 1778 in Erlangen. Danach bereitete er sich auf sein theologisches Examen vor und schloss dies im Jahre 1780 ab. Gleich darauf trat er eine Stelle als Hauslehrer und Vikar in Hertingen an und wurde 1783 zum Präzeptoratsvikar (Hilfslehrer) am Pädagogium in Lörrach ernannt. 1791 berief man ihn zum Subdiakon ans Karlsruher Gymnasium. Professor für Dogmatik wurde er im Jahre 1798 und unterrichtete bis 1814 als Gymnasiallehrer vielfältige Unterrichtsfächer. Im Jahre 1819 wurde er Prälat der evangelischen Kirche. Er starb auf einer Dienstreise am 22. September 1826 in Schwetzingen.Hebel ist vor allem bekannt für seine Kalendergeschichten, daneben schrieb er alemannische Gedichte und nach der Beschäftigung mit den Kalendergeschichten, widmete er sich einem neuen biblischen Schulbuch.

 

Seine Biographin Heide Helwig beschrieb ihn als: «Wallfahrer der Höhe und der Weite».

 

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