Uraufführung
Ein Stück Boulevard von Oscar Sales Bingisser
Ein älterer Polizeibeamter: René Peier
Ein älterer Herr: Michael Scheid
Eine sehr junge Frau: Julia Sewing
Regie: Christoph Leimbacher
Produktion: sogar theater
Vortragsrechte:
Thesis Verlag, Egg
Mit Unterstützung von: Familien-Vontobel-Stiftung, MIGROS kulturprozent
Boulevard des Absurden
Zwei ältere Herren, ein alter Magier und ein überforderter Wachtmeister, begegnen sich zu später Stunde auf einer einsamen Polizeiwache. Der Magier hat ein Loch im Herz und sollte eigentlich schon seit drei Tagen tot sein, was der Polizist nicht recht glauben kann. Mit lakonischer Verzweiflung kämpfen sich die beiden durch ein Labyrinth von unbeantwortbaren Fragen und fraglichen Antworten, um am Schluss kaum einen Schritt weiter zu sein.
Oscar Sales Bingisser hat eine beckettsche Valentinade um Sinn und Irrsinn des menschlichen Daseins verfasst, die das sogar theater als Uraufführung zeigt.
Ein „Loch im Herz“ ist eine medizinische Diagnose. Oscar Sales Bingisser wandelt diesen klinischen Begriff mit feiner Ironie um und untersucht nach den Herzfehlern im zwischenmenschlichen Austausch. Es geht um die Frage nach Illusion und Wahrheit, und bei deren Feststellung um die Wahrung der Integrität des Gegenübers. Durch die Methode von Frage und Gegenfrage verwandeln sich in rascher Folge Antworten zu Provisorien, entwickeln sich daraus neue, überraschende Handlungsstränge und (Selbst-)Befragungen. Der muntere Untote parodiert die Feststellung der endgültigen Tatsache seines Todes durch einen Umkehrschluss, in dem er die Logik auf den Kopf stellt und der vermeintlichen Realität ein Schnippchen schlägt. Sein oder Nichtsein: Es ist letztlich alles eine Sache der Einstellung und Betrachtung. „Loch im Herz“ ist ein absurdes, schräges Theater voll tiefem (Un-)Sinn.
„Loch im Herz” fragt mit knappen Dialogen, aber reicher, witzig-humorvoller Sprache nach den Gründen unseres Tuns und Lassens. Ein Ping-Pong-Spiel zwischen Magier und Polizist entlarvt den alltäglichen Irrsinn, kommt aber bei aller Existenzialität der Fragestellung heiter und unterhaltsam daher. Entstanden ist ein Stück Boulevard des Absurden. Die Quintessenz lautet, nichts geschieht ohne Grund, der Grund braucht lediglich Zeit um sich zu entfalten. Das scheinbar Grundlose benötigt unsere Definition, unsere Motivzuordnung. Es ist eine Farce über unseren angesammelten Erinnerungsballast, der Kopf und Herz vollstopft, zu sinn- und nutzlosem Ramsch verkommt. Der Hauptgrund, dass wir uns bewegen und etwas unternehmen, ist unsere Langeweile.
Das Boulevardstück wird zur existenziellen Komödie. Mit schöner Frische narrt Bingisser den Tod, zeigt dessen häufige Absurdität, indem er ihn unserem Lachen aussetzt und somit zu etwas Lebendigem macht. Dadurch entsteht eine absurde Sicht auf den Tod.
„Loch im Herz” zeigt ein Spiel, ist pure Spielfreude. Keiner redet über Philosophie und Moral. Das Publikum wird durch kein Theoriegebäude eingeengt. „Loch im Herz” ist ein Theaterstück, bei dem man viel und herzlich lachen kann. Ungewöhnlich ist nicht die Unmöglichkeit der geschilderten Situation, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der sie letztlich akzeptiert wird.
„Loch im Herz“ – Ein heiteres, helles, vergnügliches Theater mit Herz.
Tages-Anzeiger | Agenda vom 15.09.2010
Boulevardstück von Oscar Sales Bingisser. Zwei Herren, ein alter Magier und ein überforderter Polizist, begegnen sich auf einer Polizeiwache. Der Magier hat seit drei Tagen ein Loch im Herz und ist noch immer nicht daran gestorben, was der Polizist nicht glauben kann.
Sogar-Theater, Josefstr. 106, 20.30h
Neue Zürcher Zeitung | Jetzt vom 15.09.2010 - aks.
Zwei ältere Herren, ein alter Magier und ein überforderter Wachtmeister, begegnen sich zu später Stunde auf einer Polizeiwache. Mit lakonischer Verzweiflung kämpfen sich die beiden durch ein Labyrinth von unbeantwortbaren Fragen. Mit «Loch im Herz» hat Oscar Sales Bingisser «ein Stück Boulevard» verfasst, welches das Sogar Theater in Zürich als Uraufführung zeigt. aks.
Zürich. Sogar-Theater. 15.-17.9., 22.-24.9., 26.9.
TheaterZeitung vom 01.09.2010 - Marie-Louise Stickelberger
Das sogar theater eröffnet die Saison mit der Uraufführung «Loch im Herz», einem Stück Boulevard, von Oscar Sales Bingisser.
Mit dabei ist wieder Michael Scheid, der Magier-Schauspieler aus Heidelberg, der anfangs Jahr mit dem Stück «Diabelli» von Hermann Burger auf der Bühne des Sogar brillierte. Und wiederum wird er nicht bloss schauspielern, sondern auch zaubern. Denn er spielt einen alten Magier. Und auch wenn der eigentlich schon seit drei Tagen tot sein sollte - mit einem Loch im Herzen ist man meist tot – kann der Magier das Zaubern nicht lassen. Die flinken Finger führen ein Eigenleben.
Zur Handlung, wenn es bei dem Stück in der Tradition von Ionesco oder Samuel Beckett überhaupt eine Handlung gibt: Auf einer einsamen Polizeiwache begegnen sich zu später Stunde ein Mann mit einem Loch im Herzen, der alte Magier eben, und ein überforderter älterer Polizeibeamter, gespielt von René Peier, den man vom Pfauen und dem Hechtplatztheater her kennt. Der Polizist kann nicht recht glauben, dass der Mann trotz des Lochs im Herzen noch nicht gestorben ist. Verständlich eigentlich. Mit lakonischer Verzweiflung kämpfen sich die beiden nun durch ein Labyrinth unbeantworteter Fragen und fragwürdiger Antworten, um am Schluss doch kaum einen Schritt weiter zu sein. Mit dabei ist noch eine sehr junge Frau, die plötzlich als Dritte auftaucht. Ihr ist etwas abhanden gekommen. Dieses Etwas ist der Magier, den sie auf dem Polizeiposten nicht erkennt, und den sie an einen Ort zurückbringen muss, den sie kennt, aber nicht weiss, wo er ist. Gespielt wird die junge Frau wirklich von einer sehr jungen Schauspielerin, von der 23-jährigen Julia Sewing, die an der Zürcher Hochschule der Künste studiert.
Ein Stück Boulevard
Ein Loch im Herzen ist eine medizinische Diagnose, und der Autor wandelt diesen klinischen Begriff mit feiner Ironie um. Er untersucht im übertragenen Sinn die Herzfehler im zwischenmenschlichen Dasein. Mit knappen Dialogen, aber mit witzig-humorvoller Sprache, wird nach den Gründen unseres Tuns und Lassens gefragt. Ein Ping-Pong-Spiel zwischen Magier und Polizist entlarvt den alltäglichen Irrsinn, kommt aber bei aller Wichtigkeit der existenziellen Fragen heiter daher. Entstanden ist so ein Stück Boulevard des Absurden, und Karl Valentin ist nicht weit. In der Begegnung zwischen Polizist und Magier gewinnt das Irreale viel Platz, und die beiden agieren als valentineske Komiker, die mit unnormalem Unsinn den normalen aufdecken. Die Quintessenz lautet: Nichts geschieht ohne Grund – der Grund braucht lediglich Zeit, um sich zu entfalten.
Die Regie führt Christoph Leimbach, der im Sogar u.a. einen Abend über Klaus und Erika Mann inszenierte. Der Regisseur kennt den aus Einsiedeln stammenden Autor des Stücks Oscar Sales Bingisser, persönlich und beruflich seit langem - sie begegneten sich erstmals an der Schauspiel-Akademie in Zürich: Leimbacher debütierte als Dozent, Bingisser war sein Schüler. Vor drei Jahren schickte der Autor sein neues Stück «Loch im Herz» seinem Freund, damals Direktor der Otto-Falckenberg-Schule in München, mit der Bitte, da einmal hineinzuschauen. Dem gefielen die brillanten Dialoge, die witzigen Einfälle. Und er hat Freude, das Stück im Sogar nun uraufführen zu dürfen.
Übrigens
Das sogar, das 1998 gegründete literarische Kleintheater, in einem Hinterhof im Kreis 5 gelegen, hatte letzte Saison eine Sitzauslastung von sage und schreibe 95,9 Prozent. Zu verdanken ist diese magische Zahl vor allem Peter Brunner, seinem begabten, engagierten Leiter.
Sogar Theater. Premiere 15. September. Bis 26. September