Uraufführung
Von Mischa Käser.
Mit Mischa Käser (Vokalist/Instrumentalist) und
Herwig Ursin (Schauspieler/Instrumentalist).
Regie: Mischa Käser
Ko- Produktion: LAVA und sogar theater
Vortragsrechte: Mischa Käser
Mit Unterstützung von: Stadt Zürich | Kultur, Fachstelle
Kultur Kanton Zürich, Schweizerische Interpretenstifung SIS, Schweizerischer Tonkünstlerverein
STV, Artephila Stiftung, Ernst Göhner Stifung. Fondation Nicati-de Luze
Mix zwischen zungebrecherischen Kaskaden und archaischen Lauten
Ausgehend von der abgründig skurrilen Welt von Georg Paulmichl, der inzwischen über eine begeisterte Literaturszene hinaus bekannt ist, bauen der Vokalist/ Instrumentalist Mischa Käser und der Schauspieler/Instrumentalist Herwig Ursin um die vokalpoetischen Kompositionen von Mischa Käser eine bizarre Welt mit Texten und Bildern. Dabei entstehen surreale Szenen die mit Bedeutungen spielen, ohne diese aber zu benennen. Oft werden Handlungen zwanghaft oder spielerisch ausgeführt. Die Sprache wird immer wieder auf ihre klangliche und rhythmische Aussage abgeklopft und die Dialoge führen die Spieler oft mit sich selber respektive mit ihren Instrumenten und Requisiten.
Käsers „LAVAPAUL“ ist ein Mix zwischen zungebrecherischen Kaskaden und archaischen Lauten, beeinflusst u.a. von Kabuki und mongolischem Long-Ton Gesang, aber auch von Vogelrufen und anderen Tierlauten. (Ornithologie ist ein kleines Hobby von Käser und er hat in der Natur schon oft Laute aber auch Formen gefunden die ihn stark beeinflussen). Als Musiker und Komponist verwendet er ungewöhnliche, oft dem Alltag entnommene „Musikinstrumente“ und macht seine Stimme zu einem vibrierenden Tonträger. Herwig Ursin ist mit musikalisch-theatralen Produktionen bekannt. Hierzu zählen besonders die Arbeiten mit Ruedi Häusermann oder zuletzt das Theater Marie-Solo «Schilten» von Hermann Burger in der Regie von Nils Torpus
P.S. vom 28.10.2010 - Thierry Frochaux
Mischa Käser und Herwig Ursin verwandeln die sogar-Bühne mit ihrem verqueren Instrumentarium, der unverständlichen Wortakrobatik und den rückwärts ums Eck gedachten Betrachtungen übers Leben von Georg Paulmichl in ein skurriles Kabinett, eine ureigene Parallelwelt, die nichts als Spass bereitet.
Wenn Mischa Käser Töne aus dem Mund purzeln, erinnert das an zeitgenössiche E-Musik. Auch die Maschinchen, Mechaniken, Kürbelchen und Flaschen, mit denen er Töne generiert, bieten selten melodiöse Bögen, aber faszinieren. Die Skurrilität geht mit viel zu kleinen Stühlen, einer Komposition für Klebeband oder einem Poeme für Kreide und Stimme einfach immer nur weiter und führt dazu, dass Herwig Ursin sein mit Fett beschmiertes Gesicht in den Papierkorb stürzt und danach mit Fetzelchen übersäht wieder hochkommt. Das alles ist höchstkomisch anzusehen, erhält aber durch die Texte von Georg Paulmichl die nötige intellektuelle Ergänzung, denn seine hintersinnigen Betrachtungen zum Leben von der Wiege bis zur Bahre verlangen vom Publikum eine Aufmerksamkeit, die über die optischen und akustischen Reize der beiden Darstellenden hinausgehen. Wenn etwa Herwig Ursin eine politische Ansprache mehrfach wiederholt und sich bei jedem Neustart die Krawatte noch enger um den Hals schlingt, bis zuletzt nur noch gekrächzte Einzeltöne herauskommen, ist das auch sehr komisch, aber eröffnet noch weit breitere Assoziationspotenziale. Das «Lavapaul» genannte Programm ist bare Phantasterei, dermassen vielschichtig und scheinbar unerschöpflich an noch skurrileren Ideen, dass die queren Töne nicht stören, die Unverständlichkeit der eigentlichen Absicht überhaupt nicht interessiert und nur noch das erfreute Staunen zurückbleibt, endlich einmal wieder so etwas wie die Geburt einer genuin neuen Bühnensprache beigewohnt zu haben. Innovation ist möglich und wenn sie im Resultat so daherkommt, werden Wünsche in Richtung «mehr davon» wach. Bravo!
«Lavapaul», 25.10., sogar Theater, Zürich, www.sogar.ch
Tages-Anzeiger | Agenda vom 25.10.2010
Ausgehend von der abgründig skurillen Welt von Georg Paulmichl bauen der Vokalist/Instrumentalist Mischa Käser und der Schauspieler/Instrumentalist Herwig Ursin um die vokalpoetischen Kompositionen von Mischa Käser eine bizarre Welt von Texten und Bildern. Die Sprache wird immer wieder auf ihre klangliche und rhythmische Aussage abgeklopft, und die Dialoge führen die Spieler oft mit sich selber und mit Instrumenten und Requisiten.
Sogar Theater, 20.30 Uhr
Tages Anzeiger | Kultur & Gesellschaft vom 23.10.2010 - Andreas Tobler
Zürich, Sogar Theater – «Der Tod treibt das Leben vor sich her.» Solch bemerkenswerte Sätze schreibt der 1966 geborene Poet Georg Paulmichl, der über sich selbst sagt, er sei «kein Mensch, sondern Südtiroler». Durch Verdrehungen wie diese bricht er Sinnstrukturen auf, erlöst Gegenstände und Lebensumstände von ihren Zuschreibungen, verrückt die Welt und ermöglicht so einen neuen Blick auf scheinbar Abgelebtes: «Die Grossmutter ist jetzt alt geworden. Ihre Füsse sind noch beweglich. Aber der Rücken hat sich bereits gebeugt. Die Ohren der Grossmutter sind nicht mehr hörbar. ( ... ) Nur mehr leise Worte entweichen ihrem Munde. Wie lange ihre Tage gezählt sind, weiss niemand.».
Nun haben der Musiker Mischa Käser und der musikalische Schauspieler Herwig Ursin für Paulmichls Texte eine musikalische Klang- und Spielwelt geschaffen: Scheinbar unaufhörlich sprudeln Vokale und Konsonanten aus Käsers Mund, als hätte er die Texte nach einem nur ihm bekannten Ordnungskriterium gesiebt; Murmeln hüpfen über die Nägel einer Kügelchenbahn; ein Locher gibt quietschend den Rhythmus für einen Text vor; immer stärker zieht Ursin den Knopf seiner Krawatte zu und variiert so in mehreren Durchläufen – keuchend, bald japsend – einen Paulmichl-Text, in dessen Refrain («Sie tun alles, damit sich das Volk dem Wohle fügt») die Hohlheit der Politikerphrasen sowohl entlarvt als auch bedrohlich gemacht wird. Gegen Ende des Abends setzt sich Ursin eine waschtrommelförmige Krone auf und lässt auf seinem Kopf Spieldosen im Kanon gegeneinander ihre Nachtmelodien spielen: Applaus für einen unbedingt sehens- und hörenswerten Abend!
Bis 27.10., www.sogar.ch
Tages-Anzeiger | Agenda vom 22.10.2010 - Anonym
Ausgehend von der abgründig skurrilen Welt von Georg Paulmichl, der inzwischen über eine begeisterte Literaturszene hinaus bekannt ist, bauen der Vokalist/Instrumentalist Mischa Käser und der Schauspieler/Instrumentalist Herwig Ursin um die vokalpoetischen Kompositionen von Mischa Käser eine bizarre Welt mit Texten und Bildern. Dabei entstehen surreale Szenen, die mit Bedeutungen spielen, ohne diese aber zu benennen. Oft werden Handlungen zwanghaft oder spielerisch ausgeführt. Die Sprache wird immer wieder auf ihre klangliche und rhythmische Aussage abgeklopft, und die Dialoge führen die Spieler oft mit sich selber respektive mit ihren Instrumenten und Requisiten.
Sogar Theater, 20.30 Uhr.
züritipp vom 21.10.2010 - Philipp Amrein
LAVAPAUL
Texte von Paulmichl zu Locher und Schubladofon? Gibts im Sogar-Theater.
Musikstück. Also, da hätten wir: eine Melodica, eine Trillerpfeife, diverse Spieldosen und eine Orgelpfeife. Eigentlich nicht sonderlich spektakulär. Doch das ist noch nicht das ganze Arsenal, auf das der Musiker Mischa Käser und der Schauspieler Herwig Ursin bei ihrem Stück «Lavapaul» zurückgreifen. Ob nun leere Camparifläschchen, ein länger nicht mehr geölter Papierlocher oder gar ein Schubladofon – die beiden Männer vermögen auch auf artfremden Gerätschaften zu musizieren. Selbst eine Schulwandtafel findet ihren Weg als Rhythmusinstrument auf die Bühne, wo Käser und Ursin Textfragmente des Südtiroler Dichters Georg Paulmichl mit lautmalerischen und szenischen Mitteln zerdehnen und verdichten. So entsteht eine irrwitzige, von cleverem Schabernack durchwehte Landschaft aus Worten und Klängen, in der man gerne einen irritierend schönen Abend verbringt.
SOGAR-THEATER.
Josefstr. 106, www.sogar.ch
Do 21.10. (Premiere). Fr 22.10., Sa 23.10., Mo 25.10., Di 26.10., Mi 27.10., 20.30 Uhr. So 24.10., 17 Uhr. Eintritt 28/32 Franken