Max Frisch und Eugen Früh & Erna Yoshida Blenk-Früh
Hommage zum 20. Todestag / 100. Geburtstag von Max Frisch
Für die Bühne bearbeitet von: Peter Brunner
Mit: Graziella Rossi und Helmut Vogel
Künstlerische Begleitung: Katja Früh
Kompositionen: Tino Marthaler nach Texten von Kurt Früh
und «Trois filles» von Huldreich Früh, am Piano eingespielt von Christoph Keller
Bildprojektionen: François Haymoz
Tonaufnahmen: Michael Wernli
Bühnenbild: Doris Aebi
Produktion: sogar theater
Vortragsrechte: Eugen und Yoshida Früh-Stiftung
Unterstützt von: Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Eugen und Yoshida Früh-Stiftung, HAMASIL-Stiftung
Wir danken: Mägi Barmettler, Eugen Stiefel, den Familien Früh, dem Stadtarchiv Zürich, dem Baugeschichtlichen Archiv Zürich, der Max Frisch-Stiftung
Im Zürcher Café de la Terrasse existierte ein spezieller Freundeskreis: Samstags ab 11 Uhr trafen sich in den 1940er Jahren die «Samstagsbündler» zum Frühschoppen. Zum engen Kreis der Runde gehörten: Erna Yoshida und Eugen Früh-Blenk und Max Frisch, der manchmal auch von seiner Ehefrau Trudy begleitet wurde. Die Ehepaare Frisch-Früh waren mehr als zehn Jahren befreundet: «Velofahrt mit Trudy u. Max F. auf den Wassberg», notiert Yoshida; «Eure beiden Ausstellungen war so reich», schreibt Max Frisch.
Um die Kunstmaler Eugen Früh und Erna Yoshida Blenk-Früh und den zwischen Aktivdienst, Architekturbüro, Schauspielhaus und Schriftstellerei pendelnden Max Frisch bestand ein ungewöhnlicher Freundeskreis bestehend aus dem Schriftsteller Hans Schumacher, der Buchhändlerin Marthe Kauer, dem Publizistenpaar Margot und Urs Schwarz, dem Galeristen Edi Wolfensberger oder dem Lyriker Paul Adolf Brenner.
Das Theaterstück thematisiert eine frischbunte, eher unbekannte Seite des Zürcher Kulturlebens zwischen 1940-1955 und stellt – neben dem «frühen Max Frisch» – eine vielseitige Familie vor: Eugens Brüder waren der Filmemacher Kurt und der Komponist Huldreich Früh; Kurts Ehefrau, die Schauspielerin Eva Langraf.
Das künstlerische Personal
Doris Aebi
Geb. 1953, Kunstmalerin, Mitbegründerin und Ko-Leiterin des sogar theaters
Tages Anzeiger | Kultur & Gesellschaft vom 06.04.2011 - Alexandra Kedves
Zürich, Sogar-Theater – Es war sozusagen die Promi-Premiere des kleinen Sogar-Theaters in dieser Saison, sowohl unten im Parkett als oben auf der Bühne. Unten sah man etwa Ex-Stadtpräsident Josef Estermann, und oben gaben sich – in Gestalt von Graziella Rossi und Helmut Vogel – Max Frisch und die Frühs die Ehre: Kurt Früh, Filmemacher und Dichter; Huldreich Früh, Komponist; Eugen Früh, Maler, und seine Frau Erna Yoshida Früh-Blenk, Malerin. Und, gleich doppelt, Katja Früh, Kurt Frühs Tochter: Ihre Geburt im Jahr 1953 spielt während des rund einstündigen Abends eine (Neben-)Rolle; sie selbst wiederum erlebte am Montag die Geburt ihrer Inszenierung «Frisch & Früh».
Die von Theaterleiter Peter Brunner zusammengestellte Soiree erzählt vor allem die Geschichte einer Freundschaft. Wie sich Max Frisch und Eugen Früh 1941 über eine Auftragsarbeit näher kommen (Frisch schreibt einen Essay fürs «Du» über «Heimat», Früh zeichnet); wie man sich regelmässig zum «Samstagsbund» trifft, wo auch François Bondy, Paul Burkhard oder Margot und Urs Schwarz vorbeischauen; und wie man sich treu in seinen künstlerischen Bestrebungen begleitet. So informiert Frisch Yoshida Früh, dass Zarah Leander in ihrer Ausstellung vorbeigeschaut hat, und das Malerpaar besucht und kommentiert Frischs «Santa Cruz»-Premiere ebenso wie die von «Die Chinesische Mauer» und «Als der Krieg zu Ende war».
Von den Schauspielern wird im Sogar-Theater viel Wandelbarkeit verlangt: Mal spielen sie Szenen aus den Frisch-Stücken, mal gibts Tagebuchpassagen von Yoshida Früh, mal Briefstellen von allen, etwa von Max Frisch, wo er von seiner Depression und seinem Leiden an Ehe und Familie berichtet. Tino Marthaler hat ausserdem Kurt-Früh-Reime vertont, was dem Abend zu hübschen gesungenen Intermezzi verhilft (am Klavier: Vogel). Und die Bilder-Dias des Malerpaars zeigen, worum es bei den Gesprächen über Farbe, «Japanismus» und Realismus überhaupt ging.
«Frisch & Früh» ist eine muntere Auslegeordnung des Zeitgeistes – und der Entwicklungen und Schnittstellen dreier Künstlerviten. Allerdings wurde Frisch den Malern immer fremder, «unbürgerlicher» (Yoshida Früh) – und am Silvesterabend 1950 stellten die Paare Max/Trudy und Eugen/Yoshida fest, dass sie einander nichts mehr zu sagen hatten. Ihre Freundschaft war im Stadium der «Erschöpfung» (Frisch) angekommen. Wir aber fühlen uns nach der Vorstellung regelrecht aufgefrischt.
Bis 15. Mai
Neue Zürcher Zeitung | Zürcher Kultur vom 06.04.2011 - Anne Suter
«Frisch & Früh» im «Sogar»
«Komm, wir malen einen neuen Erdteil an die Hoffnungswand: neue Ufer, neue Lüfte, Ananasbananenstrand», singen Erna Yoshida und Eugen Früh-Blenk, sie einen Strohhut auf dem Kopf, er eine Flasche Rosé in der Hand, zwischen sich einen Korb, aus dem eine Ananas hervorlugt. Das Zürcher Künstlerpaar verbringt die Sommerferien 1946 im südfranzösischen Golfe Juan – und bekommt dort regelmässig Post von Max Frisch. «Wir denken oft an Euch; als Ihr geflogen seid, haben wir auf die Uhr gesehen», heisst es in einem der Briefe. Später schreibt der zu Hause «an einem harmlosen Lustspiel» arbeitende Freund von Depressionen, die «immer öfter kommen und immer länger dauern. Es ist oft so, dass mich nur noch die Verpflichtung an Trudy und die Kinder hält.»
Am Montagabend, pünktlich zur 20. Wiederkehr des Todestages von Max Frisch also, ist im Sogar- Theater die Produktion «Frisch & Früh» uraufgeführt worden. Der Schriftsteller spielt allerdings bloss eine Nebenrolle in diesem von Peter Brunner aus Briefen und Tagebucheinträgen zusammengestellten Theaterstück. Der Name Frisch zieht im Gedenkjahr; wohl wären sonst nicht ein Alt-Bundesrat und ein ehemaliger Zürcher Stadtpräsident zur Premiere ins kleine Theater gekommen. Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Früh-Blenk, das zwischen 1940 und 1950 eng mit Frisch und seiner ersten Frau Trudy befreundet war. Inszeniert hat die Produktion Katja Früh, die Tochter von Eugen Frühs Bruder Kurt, dem bekannten Filmemacher, von dem auch die Liedtexte stammen.
Die Schauspieler Graziella Rossi und Helmut Vogel agieren auf einer mit einem alten Klavier, viel Mobiliar und Krimskrams ausgestatteten Bühne. Hier lassen die beiden bei gehörig Champagner ein ums andere Jahr Revue passieren. Das Publikum erhält dabei genauso Einblick in die Zürcher Kulturszene der vierziger Jahre, deren Vertreter sich gerne samstags um 11 Uhr im «Terrasse» trafen, wie in die künstlerisch vielseitig begabte Familie Früh. Und vom Architekten Max Frisch erfährt man etwa Folgendes: «Mit Brecht auf der Baustelle. Von allen, die ich bisher durch die Bauten geführt habe, ist Brecht der weitaus dankbarste, wissbegierig, ein Könner im Fragen.»
Zürich, Sogar-Theater, bis 15. Mai.
Tages-Anzeiger | Agenda vom 06.04.2011
Eine eher unbekannte Seite des Zürcher Kulturlebens zwischen 1940 und 1955, spielte sich im Café de la Terrasse ab. Dort trafen sich jeweils am Samstag ab 11 Uhr die Familie Früh und der junge Max Frisch zum Frühschoppen. Mit Graziella Rossi und Helmut Vogel. Regie: Katja Früh, Textkonzept: Peter Brunner.
Sogar Theater, 20.30 Uhr
Tages-Anzeiger | Agenda vom 05.04.2011
Eine eher unbekannte Seite des Zürcher Kulturlebens zwischen 1940 und 1955 wird mit «Frisch & Früh» thematisiert. Porträtiert wird die vielseitige Zürcher Familie Früh und der junge Max Frisch. Die Freundschaft zwischen dem werdenden Schriftsteller und dem Künstlerpaar Früh-Blenk, dargestellt von Graziella Rossi und Helmut Vogel, vermittelt private Einblicke in das Leben dieser Künstlergeneration. Katja Früh inszeniert das Textkonzept von Peter Brunner.
Sogar Theater, 20.30 Uhr
Neue Zürcher Zeitung | Jetzt vom 04.04.2011 - aks.
Das Theaterstück «Frisch & Früh» thematisiert eine eher unbekannte Seite des Zürcher Kulturlebens zwischen 1940 und 1955. Im Mittelpunkt des Stücks stehen die «Samstagsbündler», die sich jeweils samstags ab 11 Uhr im Cafe de la Terrasse zum Frühschoppen trafen. Zum engen Kreis der Runde gehörten das Kunstmaler-Ehepaar Erna Yoshida und Eugen Früh-Blenk sowie Max Frisch. Mit: Graziella Rossi und Helmut Vogel. Uraufführung.
Zürich, Sogar-Theater, 4.-6., 9.4., 20:30 h, 10.4., 17 h
TheaterZeitung vom 01.04.2011 - Marie-Louise Stickelberg
Jeweils Samstags um elf im Café de la Terrasse in Zürich. Anzutreffen unter anderem Max Frisch und das Künstler-Ehepaar Früh-Blenk. Das sogar theater thematisiert den kreativen Frühschoppen.
«Samstagsbündler» nannte sich der spezielle Freundeskreis, der sich in den 1940er Jahren jeden Samstag in dem Café beim Bellevue traf. Zum engen Kreis der Runde gehörten: Eugen und Erna Yoshida Früh-Blenk und Max Frisch, der manchmal auch von seiner Ehefrau Gertrude Anne Constanze von Meyenburg, genannt Trudy beleitet wurde. Die Ehepaare bleiben über zehn Jahre befreundet. Eugen Früh (1914-1975) lebte und arbeitete ganz in der Nähe, an der Römergasse im Schatten des Grossmünsters; seine Frau wohnte dort noch als Witwe bis zu ihrem Tod 1996. Max Frisch pendelte zu der Zeit zwischen Aktivdienst, Architekturbüro, Schauspielhaus und Schriftstellerei. Zu den Samstagsbündlern gehörte weiter der Schriftsteller Hans Schumacher, die Buchhändlerin Marthe Kauer, das Publizistenpaar Margot und Urs Schwarz, der Lyriker Paul Adolf Brenner, und der Galerist Edi Wolfensberger. Im Kunstsalon Wolfensberg hatte Eugen Früh 1949 seine erste grosse Einzelausstellung. Im gleichen Jahr malte er ein Wandbild für das von Max Frisch erbaute Freibad Letzigraben.
Zürcher Kulturleben
Der Abend im sogar theater stellt eine frischbunte, eher unbekannte Seite des Zürcher Kulturlebens zwischen 1940 und 1955 vor. Das Textkonzept von «Frisch & Früh» stammt von Theaterleiter Peter Brunner. Graziella Rossi und Helmut Vogel lassen wechselweise die bekannten Namen aufleben, holen sie aus der Vergangenheit zurück. Man begegnet dem frühen Max Frisch und vor allem der vielseitigen Familie Früh.
Eugen Früh kommt 1914 als vierter von fünf Söhnen in St. Gallen zur Welt. Drei seiner Brüder schlagen ebenfalls eine künstlerische Laufbahn ein: der Komponist Huldreich Früh, frühverstorben, ein schmerzliches Erlebnis für den Bruder, der Musiker Willi und der jüngste, Kurt Früh, prägend für das Schweizer Filmschaffen.
Und man begleitet ein Stückweit das Leben der Künstlerin Erna Yoshida Früh-Blenk. Sie wurde 1913 als Tochter eines Winterthurer Kaufmannes in Shanghai geboren. Nach ihrer Jugendzeit in Japan und China kam sie in die Schweiz, besuchte die Malklasse der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich, wo sie Eugen Früh kennen lernte. Die beiden heirateten 1934. Nach der Heirat stellte Erna Yoshida ihre künstlerische Karriere zu Gunsten ihres Mannes zurück, damit das Schicksal vieler Künstlergattinnen ihrer Zeit teilend. Wohl partizipierte sie partnerschaftlich am Werk Frühs, der 1967 mit dem Kunstpreis der Stadt Zürich geehrt wurde, und stand dem Mann oft Modell. Ihr eigenes Werk jedoch bleibt im Schatten. Auf der Bühne des sogar theaters steht das Ehepaar Früh-Blenk gleichwertig im Rampenlicht.
sogar theater. Uraufführung 4. April. Bis 15. Mai
WOZ vom 31.03.2011 - ADR
Samstags ab 11 Uhr, im Cafe de la Terrasse am Zürcher Bellevue: Hier trafen sich in den vierziger Jahren die «Samstagsbündler» zum Frühschoppen. Dazu gehörten: Eugen und Erna Yoshida Früh-Blenk, Max Frisch und zuweilen auch dessen damalige Frau Trudy. Um das KünstlerInnenpaar Früh-Blenk und den zwischen Aktivdienst, Architekturbüro, Schauspielhaus und Schriftstellerei pendelnden Frisch bestand ein iIIustrer Freundeskreis, zu dem der Schriftsteller Hans Schumacher, die Buchhändlerin Marthe Kauer, die Publizistinnen Margot und Urs Schwarz, der Galerist Edi Wolfensberger und der Lyriker Paul Adolf Brenner gehörten.
Zum 20. Todestags von Max Frisch Anfang April und zu seinem 100. Geburtstag im Mai bringt das Zürcher Sogar-Theater eine eher unbekannte Seite des Zürcher Kulturlebens zwischen 1940 und 1955 auf die Bühne. In «Frisch 8. Früh» spielen neben dem frühen Frisch auch die Mitglieder einer iIIustren Künstlerfamilie ihre Rollen: Eugen Frühs Brüder, der Komponist Huldreich und der Filmemacher Kurt sowie Kurts Frau, die .Schauspielerin Eva Langraf. Und auch die Produktion des Sogar-Theaters (szenische Bearbeitung: Peter Brunner; Spiel: Graziella Rossi und Helmut Vogel; Kompositionen: Tino Marthaler nach Texten von Kurt Früh) wird von einem Mitglied dieser künstlerischen Familiendynastie begleitet: von der Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Katja Früh. ADR
«Frisch & Früh», Zürich, sogar theater, Mo bis Mi, 4.-6., Sa/So, 9./10., und Fr, 15. April, sowie Sa/So, 14./15. Mai, 20.30 Uhr (So: jeweils 17 Uhr), www.sogar.ch