Der alte König in seinem Exil - Erstaufführung

von Arno Geiger

 

erzählt von:  Jaap Achterberg

basierend auf einer Textfassung von: Brigitta Soraperra

Regie: Klaus Henner Russius

Ko-Produktion: sogar theater und Theater im Kornhaus (ThiK), Baden

Rechte: Arno Geiger und Hanser Verlag, München


Mit Unterstützung von: Age Stiftung, Familien-Vontobel-Stiftung, Zürcher Theaterverein

 

 

Arno Geiger hat ein «schönes» Buch über die Alzheimerkrankheit geschrieben. Sein autobiografischer Bericht «Der alte König in seinem Exil» ist ein ergreifen­des Dokument, das nicht nur von den dunklen Seiten der Demenz berichtet.

 

Was ist wichtig? Was macht unser Leben lebenswert? Arno Geiger erzählt von seinem Vater, dem die Erinnerungen langsam abhanden kommen, dessen Orientierung in der Gegenwart sich auflöst. Offen, liebevoll und heiter beginnt er seinen Vater von neuem kennenzulernen; geht mit ihm durch die Landschaft, in der sie beide ihre Kindheit verbracht haben, hört auf seine nur scheinbar sinnlosen und oft so wunderbar poetischen Sätze, erzählt von Gegenwart und Vergangen­heit des Vaters und der eigenen Kindheit im Dorf. Ein lichtes, lebendiges, oft auch komischer Bericht über ein Leben, das es immer noch zutiefst wert ist gelebt zu werden und das sich vielleicht nur wenig unterscheidet von dem Leben, das wir alle tagtäglich führen.

 

Arno Geigers Text lebt von der sorgfältigen Sprache des Schriftstellersohnes, der seine eigene Betroffenheit und seine Annäherung an die Krankheit Alz­heimer präzis und berührend formuliert. In den eingeflochtenen kommentarlos präsentierten, knappen Dialogen zwischen Vater und Sohn erhalten wir als Zuschauer zudem die Möglich­keit, uns ein eigenes Bild vom Vater August Geiger zu machen. Die Textfassung von Brigitta Soraperra hat trotz Kür­zung und Raffung diese beiden Stränge beibehalten.

 

Geigers Buch ist eine Ich-Erzählung eines Sohnes über seine Beziehung zum Vater und dessen altersbedingten Krankheitsprozess. Dies hat uns dazu be­wogen, es als Monolog, als so genanntes Erzähltheater auf die Bühne zu brin­gen, in der Tradition eines «Michael Kohlhaas» nach Kleist, dargestellt von Klaus Henner Russius in der Regie von Enzo Scanzi (1994) oder  «Das Nibe­lungenlied» in der gleichen Besetzung (1996), sowie auch «Die Pest» nach Al­bert Camus,, «Oberst Chabert» von Honoré de Balzac, «Jakob der Lügner» von Jurek Becker, sowie «Die Geschichte von Herrn Sommer» von Patrick Süskind, alle  inszeniert von Klaus Henner Russius mit Jaap Achterberg als Erzäh­ler/Spieler (1998 - 2010).

 

 

Arno Geiger

1968 geboren, studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Ver­gleichende Literaturwissenschaft. Für seine Romane wie «Es geht uns gut» und «Alles über Sally» erhielt er viele Auszeichnungen, darunter den Friedrich Hölderlin-Förder­preis, den Deutschen Buchpreis und den Johann Peter Hebel-Preis. Arno Geiger lebt in Wolfurt und Wien.

 

August Geiger

Zwischen Alpen und Bodensee, in Wolfurt in Vorarlberg liegt die Heimat des heute 85-jährigen August Geiger. Er wurde geboren als eines von zehn Kindern. Der Sohn von Obstbauern, katholisch geprägt. Mit 18 Jahren musste er in den Krieg, das war 1944. In der russischen Gefangenschaft wäre er fast gestorben. Nach seiner Rück­kehr hat er die Heimat nie mehr verlassen. Er wurde Dorfschreiber, baute ein Haus oberhalb des Hangs, auf dem die elterlichen Obstbäume standen. Von der Welt draussen hatte August Geiger genug. Er wollte nicht einmal mehr in Urlaub fahren.

 

 

Jaap Achterberg

 

 

Klaus Henner Russius

Geboren 1937 in Danzig. Nach der Matura Schauspielausbildung an der Max Reinhardt Schule, Berlin. Engagements in Göttingen, Düsseldorf, St.Gallen, Mannheim. 1968 bis 1980 in Basel bei Werner Düggelin und Hans Hollmann. 1980 bis 1985 am Schauspielhaus Frankfurt am Main. Seit 1985 freischaffend, u. a. in Frankfurt, Düs­seldorf, Heidelberg, Bonn und Zürich. Mitte der 90er Jahre rezitierte er die beiden grossen Erzählungen: «Michael Kohlhaas» von Heinrich von Kleist und «Das Nibelun­genlied». Sprecherrollen an verschiedenen Opernhäusern, u. a. Aix-en-Provence, Frankfurt und Lyon. Seit 1988 auch als Regisseur tätig u.a. in Verscio (Scuola Dimi­tri), Chur (Klibühni 1998-2009, jährlich), Wien und Zürich, Freilichtspiele an verschie­denen Orten. Filme, Fernsehproduktionen, Hörspiele und Lesungen, Lesereihen: Anton Tschechow, Gottfried Keller, Imre Kertész, Homers Odyssee, jeweils am Stadttheater Winterthur und im sogar theater, Zürich. Zurzeit auf Tournee mit «Mei­sterklasse÷ von Terrence McNally. Inszenierung bei verschiedenen Produktionen; regelmässige Regie- und Rezitationstätigkeit für das sogar theater.

 

Brigitta Soraperra

Regisseurin, geb. 1968 in Bludenz/Österreich, lebt in Zürich seit 1997. Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik, Psychologie und Philosophie in Innsbruck und Wien. Seit 2002 freischaffende Regisseurin und Dramaturgin. Inszenierungen u.a. im Theater am Neumarkt/ Zürich, Stadttheater Konstanz, Vorarlberger Landestheater, Theater am Kirchplatz/Liechtenstein, Jungen Theater Basel, Kaserne Basel, Theater an der Winkelwiese/Zürich, Theater Stadelhofen/Zürich, Theater an der Sihl/Zürich, Zamt&Zunder/Baden, Bregenzer Festspiele, sogar-Theater/Zürich, DALANG Puppencompany. Schwerpunkte in der Theaterarbeit: Inszenierungen und Uraufführungen zeitgenössischer Autoren und Autorinnen, themenbezogenes Arbeiten, Stücke für ein junges Publikum und Leitung von Jugendclubs sowie Grossproduktionen mit Laien.

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